Historisches Bauwerk

Umgang mit der Dammstraßen-Brücke in Hildesheim: Politiker lassen erste Tendenzen erkennen

Hildesheim - Baudezernentin Andrea Döring hat der Politik einen Vorschlag vorgelegt, wie die Stadt Hildesheim mit der Brücke unter der Dammstraße umgehen könnte. Die Entscheidung steht aus – doch es gibt Tendenzen.

Die Archäologen arbeiten sich in der Dammstraße in Hildesheim von Osten (links) nach Westen vor, um die 850 Jahre alte Brücke zu dokumentieren – bislang haben sie etwa die Hälfte geschafft. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - So viel parteiübergreifendes Lob wie am Mittwochabend in der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung (Steba) und des Ortsrates bekommt die Verwaltung selten zu hören: SPD-Ratsherr Tobias Eckardt bezeichnete das 34-seitige Papier, in dem Baudezernentin Andrea Döring die Vorstellungen des Rathauses zum Umgang mit der Brücke unter der Dammstraße zusammengefasst hat, als „exzellent“. CDU-Fraktionschef Dennis Münter lobte Konzept und Verfahren als beispielhaft. „So stellen wir uns das vor: Die Verwaltung bereitet die Entscheidungen der Politik vor.“

Doch ob diese dem Kurs der Stadtspitze folgt – das ließ sich am Mittwochabend noch nicht absehen. Nachfragen ja, aber keine inhaltliche Diskussion: An diese Vorgabe von Steba-Chefin Rita Weber (SPD) hielten sich die Ausschussmitglieder weitestgehend. Gleichwohl entspann sich eine Debatte über das Papier der Verwaltung.

Wie entscheidet der Hildesheimer Stadtrat am 20. Februar?

Diese möchte weitere Experten und die Bürger in das Verfahren einbeziehen, Döring wünscht sich dazu in einer Sitzung von Rat und Ortsrat am 20. Februar den Auftrag, eine Podiumsdiskussion und eine Befragung anzuschieben. Die Meinungen von Fachleuten und Einwohner sollen dann in den Grundsatzbeschluss des Rates eingehen, der für Mai oder Juni geplant ist: Möchten die Politiker die bis dato vier Varianten, die auf einen Erhalt der Brücke zielen und darauf, diese (in unterschiedlicher Ausprägung, aber jeweils für zweistellige Millionenbeträge) öffentlich zugänglich zu machen, von der Stadt weiter untersuchen lassen? Was ein Jahr dauern und 150 000 Euro kosten würde. Oder soll die Verwaltung an ihrem Ursprungsplan festhalten, dass 850 Jahre alte Bauwerk nur dokumentieren und dann zuschütten zu lassen, um die seit Mai 2021 gesperrte Dammstraße schnell freizugeben?

Weiß Ingenieur Jürgen Götz es besser als die Stadtverwaltung?

Ob es nicht in diesem Fall auch einen Kompromiss geben könnte, wollte SPD-Ratsherr Marcus Krettek wissen: Ließe sich die Brücke nicht so verfüllen, dass der Verkehr wieder fließen könne, das Bauwerk aber heile bleibe – und die Stadt so in einigen Jahren erneut überlegen könne, ob sie anders verfahren wolle? Der Idee erteilte Döring eine Absage: Nach den bisherigen Erkenntnissen der Stadt bliebe die Brücke bei dieser Lösung – Variante 1 – zwar zum Teil im Boden, würde aber zerstört. Der Ingenieur Jürgen Götz sehe das anders, erklärte CDU-Fraktionschef Dennis Münter und bat darum, die Ansichts seines Parteifreundes zu prüfen. Entscheide sich der Rat dann für diese „Variante 1-“, müsse es schnell gehen. „Wir können dann nicht noch fünf Sitzungen machen und ein Jahr diskutieren.“

SPD-Politiker Eckardt sorgt sich um Hildesheims Welterbestatus

Döring zeigte sich aufgeschlossen, dämpfte aber die zeitlichen Erwartungen: Auch dafür müsse es eine Planung geben. Nach derzeitigem Stand geht die Verwaltung davon aus, dass der Verkehr bei der schnellen Lösung im Juni wieder durch die Dammstraße fließen kann. SPD-Vertreter Tobias Eckardt zeigte sich allerdings skeptisch, ob die Verwaltung angesichts der Bedeutung der Brücke die Variante 1 überhaupt nutzen dürfe: Er erinnerte an die Aberkennung des Welterbestatus für das Dresdner Elbtal und verwies auf die Lage der Dammstraße-Brücke in der Pufferzone der Hildesheimer Welterbestätten. „Drohen da nicht Probleme?“, wollte er von Döring wissen. Und auch, ob die Stadt überhaupt mit der denkmalrechtlichen Genehmigung rechne, das Bauwerk einfach zuzuschütten. Die liege bislang nicht vor, räumte Döring ein – denn zum Zeitpunkt der ursprünglichen Erlaubnis seien Alter und Bedeutung der Brücke noch nicht bekannt gewesen. Die Sorge um den Welterbestatus teilt sie wohl nicht – sie ließ die Frage unbeantwortet.

AfD-Vertreter findet: „Zumachen – 20000 Autofahrer sind glücklich“

Klar Position bezog nur AfD-Vertreter Michael Körber. Er empfahl: „Einfach zumachen und 20000 Autofahrer sind glücklich.“ Seniorenbeiratsvertreterin Heidemarie Zentgraf, einst Ortsratsmitglied (SPD), wollte das nicht stehen lassen: „Als wenn das das einzige ist, was wichtig ist.“



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