Bad Salzdetfurth - Bikepark, Golfplatz, Kurpark, Solebad – und die Liste ist noch um einiges länger: Bad Salzdetfurth hat einiges zu bieten. Doch es tun sich Probleme auf. Die Stadt will mehr Tagesgäste und Kurzurlauber anlocken, seit Jahren schon ist das der Auftrag. Allein der Kurstatus reicht dafür aber nicht aus. Es sind auch bereits neue Projekte angelaufen, die die Stadt auf der Beliebtheitsskala vermutlich weiter nach oben schnellen lassen könnten. Doch die Mühlen mahlen langsam. Hinzu kommt: Das einzige große Hotel in der Stadt ist derzeit eine Flüchtlingsunterkunft. Ein neuer Hotelbetreiber war nach der relexa-Gruppe, die das Haus bis 2020 betrieben hatte, nicht zu finden. Und nun steht ein weiteres großes Problem an: Das Solebad hat gravierende bauliche Mängel, muss umfangreich saniert oder neugebaut werden. Über die millionenschwere Investition wird im kommenden Jahr in Stadtrat und Kreistag entschieden – vor dem Hintergund leerer öffentlicher Kassen.
„Es ist viel in Bewegung“
Bürgermeister Björn Gryschka ist sich der Lage bewusst. „Aber es ist schon viel in Bewegung“, sagt der Parteilose. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren viel geschafft. Stolz erinnert er an den Architekturpreis, den sie in diesem Jahr für den neuen Marktplatz gewonnen habe. Der Bürgerpark sei komplett erneuert worden, und auch der Radweg, der den Bike- und Outdoorpark (BOP) in Richtung Süden anbinden soll, nehme Gestalt an. In Kürze würden die Gradierwerke nach 20 Jahren mal wieder modernisiert. Es seien viele kleine Puzzleteile, die am Ende ein großes Ganzes ergeben. „Stadtentwicklung heißt: sich bewegen, nach außen sichtbar machen, und das gelingt uns ganz gut“, ist er überzeugt.
Dennoch werden immer wieder Stimmen laut, die kritisieren, alles würde viel zu lange dauern – die Pläne für die Masch zum Beispiel. Es sind schon wieder gut anderthalb Jahre vergangen, seit der Investor vorgestellt hat, was er dort umsetzen möchte: Cafe, Sport- und Übernachtungsmöglichkeiten. Doch noch immer konnte dort nicht gebaut werden. „Wir hängen ein Jahr hinter unserem Zeitplan her“, bestätigt Gryschka, verweist auf lange Planungswege und Probleme, die aufgetaucht seien. Zuletzt wegen einer Neuerung im Waldgesetz. Doch inzwischen sei der Bebauungsplan auf der Zielgeraden.
Große Herausforderungen
Und der Bürgermeister erinnert, dass die Kommune zudem noch weit mehr außerplanmäßige Aufgaben stemmen müsse. Wie die Herausforderungen, die die Unterbringung der Geflüchteten mit sich bringe, oder auch die finanzielle Situation, die sich deutlich verschlechtert habe. Die führt in einigen Kommunen im Kreis, auch in Bad Salzdetfurth, nun dazu, dass bereits die Grundsteuern angehoben werden müssen.
Nun kommt noch das Solebad hinzu. Hinter den Kulissen wird in den Gremien bereits über eine Machbarkeitsstudie diskutiert. Über die Inhalte wird die Öffentlichkeit erst im kommenden Jahr infomiert. Fakt ist aber: Es geht um sehr viel Geld. Geld, das keine Kommune übrig hat. Unstrittig ist, dass die Einrichtung für Bad Salzdetfurth eine immense Bedeutung hat: Arbeitsplätze, Attraktivität. Doch auch die anderen Kommunen im Kreis käme die Investition in das Bad teuer zu stehen. „Da haben wir noch ein dickes Brett zu bohren“, ahnt Gryschka.
„Kein Luxus-Projekt“
Es werde daraum gehen müssen, ein wirtschaftliches Konzept vorzulegen, klar zu machen, dass kein „Luxus-Projekt“ geplant sei und der gesamte Landkreis profitiere werde. Gryschka erinnert an das Torfhaus im Harz, an den neuen Turm, die Feriensiedlung, die Gastronomie – „das strahlt ins ganze Land aus“. Natürlich sei es schwer zu messen, wie viel das Umfeld tatsächlich von einer solchen Investition habe, räumt Gryschka ein. Doch er sei überzeugt, dass je besser und attraktiver eine Kommune aufgestellt sei, sie umso interessanter werde für Häuslebauer, Investoren und Touristen auch in ihrem Umfeld. In dieses Horn stieß kürzlich auch Norbert Hemken, Vorsitzender des Heilbäderverbandes Niedersachsen: Die hochprädikatisierten 43 Heilbäder und Kurorte hätten allein im letzten Jahr rund die Hälfte der gesamten Übernachtungen in Niedersachsen ausgemacht. Damit das so bleibe, müsse investiert werden.
Die Bürgermeister der Kommunen des Landkreises haben sich kürzlich gemeinsam das Solebad angesehen, sind in den Keller gestiegen, um die Schäden zu begutachten. „Das Konzeptpapier kennen wir noch nicht, inhaltlich haben wir dazu deshalb nicht geredet“, sagt Bockenems Bürgermeister Rainer Block als Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten-Runde. Aber es werde darüber zu reden sein, welche Rolle das Solebad in der Region spiele. „Spitz gefragt, was hat beispielsweise Sarstedt davon?“, so Block. Die Frage sei angesichts schon jetzt steigender Kreisumlagen und knapper Finanzen berechtigt. Mit seiner persönlichen Meinung will Block sich noch zurückhalten. „Wir müssen erst einmal vernünftig inhaltlich reden.“
