Bockenem/Bornum - Nahe der Autobahn 7 zwischen Bockenem und Bornum dürfen sieben neue Windräder errichtet werden. Der Landkreis Hildesheim hat dem Investor, der Firma SAB aus Itzehoe, jetzt die Baugenehmigung für die Anlagen erteilt. Das Verfahren hatte sich zuvor über viele Jahre hingezogen.
Die Windräder sollen Nabenhöhen von 169 Metern und Rotor-Durchmesser von 162 Metern aufweisen. Steht ein Rotorblatt senkrecht, würden sie demnach eine Gesamthöhe von rund 250 Metern erreichen – die Standardhöhe heutiger Windkraftanlagen.
Bockenem überholt Lamspringe
Die Anlagen sollen eine Leistung von jeweils 5,6 Megawatt haben. Das heißt, dass sie zwischen 13 und 16 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren dürften, also um die 100 Millionen Kilowattstunden insgesamt. Das reicht rechnerisch für knapp 30000 Haushalte. Praktisch gilt das allerdings nicht, da die Anlagen nicht durchgehend Strom produzieren auch nicht immer in den gleichen Mengen.
Zur Einordnung: Alle Windräder im Landkreis Hildesheim zusammen brachten es zuletzt in zwölf Monaten auf rund 200 Millionen Kilowattstunden. Die meisten Anlagen sind allerdings – zum Teil deutlich – kleiner als die nun bei Bockenem geplanten. Gehen diese in Betrieb, würde die Kleinstadt im Ambergau die Gemeinde Lamspringe als größte Windkraft-Kommune im Kreisgebiet überflügeln.
Kritik am Gericht
Bockenems Bürgermeister Rainer Block (parteilos) sieht sich durch die Genehmigung in seinem Ärger über das Oberverwaltungsgericht Lüneburg bestätigt. Dieses hatte den Flächennutzungsplan der Stadt zum Thema Windkraft für ungültig erklärt. „Eine Aussage des Gerichts war, dass wir der Windkraft nicht genug Platz einräumen, und dass im nun vorgesehenen Windpark auf keinen Fall Platz für sieben Windräder sei“, erinnert sich der Verwaltungschef. Dies sei offenkundig eine falsche Einschätzung gewesen.
Für die Stadt Bockenem bedeutete das Urteil, dass sie anders als andere Kommunen keine ausgewiesenen Konzentrationsflächen für Windkraft mehr hat – mit der Folge, dass praktisch überall im Gebiet der Kommune Baugenehmigungen für einzelnen Anlagen oder Windparks genehmigt werden können. Block erwartet im nächsten Jahr Bauanträge für mehrere weitere Standorte. Die Firma SAB war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Baustart im nächsten Jahr?
Erwartet wird, dass das Unternehmen spätestens im nächsten Jahr mit dem Bau der Anlagen beginnt. In der Diskussion ist der Standort in der Nähe des Königsturms zwischen Bockenem und Bornum schon seit zehn Jahren. Da stellte SAB erstmals einen Bauantrag beim Landkreis. Dann beantragte die Firma eine Aussetzung des Verfahrens, um der Stadt Zeit für die Änderung ihres Flächennutzungsplans zu geben und einen möglichen Rechtsstreit zu vermeiden.
Zeitweise bemühte sich eine Bürgerinitiative darum, das Vorhaben abzuwenden. Sie hoffte unter anderem auf die Bundeswehr, die das Gebiet für Tiefflug-Übungen nutzte. Der geplante Windpark sei aber kein Problem für die Luftwaffe, erklärte die Bundeswehr im Jahr 2017.
Lange Vorgeschichte
Ende 2020 reichte SAB schließlich den erneuten Bauantrag beim Landkreis Hildesheim ein und hoffte auf eine Entscheidung im folgenden Jahr. Tatsächlich dauerte es nun noch einmal knapp zweieinhalb Jahre, bis das grüne Licht aus dem Kreishaus kam. Auch Fälle wie dieser sind ein Grund dafür, warum Bund und Land die Genehmigungsverfahren für Erneuerbare Energien deutlich beschleunigen wollen.
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