Kreis Hildesheim - 60 Geldautomaten sind allein in Niedersachsen in diesem Jahr gesprengt worden – immer kamen die Täter in der Nacht, immer ist großer Schaden entstanden. Nicht immer haben die Täter auch Beute gemacht. Im aktuellsten Fall aber schon: In der Nacht zu Montag haben Unbekannte zwei Geldautomaten der Volksbank eG Seesen in Bockenem gesprengt. Wie viel Geld ihnen dabei in die Hände fiel, ist bislang unklar. Doch ob die Täter nun Beute machen oder nicht – das Thema beschäftigt Banken, Kunden und Ermittlungsbehörden seit Monaten schwer. Längst gibt es auch Konsequenzen, die vor allen Dingen die Bankkunden betreffen.
SB-Filialen bleiben nachts geschlossen
Die im aktuellen Fall betroffene Volksbank eG Seesen hatte bereits angekündigt, dass sie ihre Geldautomaten leeren und abschalten würde, und sie in der Zeit von 22 bis 6 Uhr nicht mehr zur Verfügung stellen würde. Der SB-Bereich dieser Filialen werde ebenfalls in dieser Zeit vorerst geschlossen. Ähnlich war auch die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine verfahren, nachdem in ihrer Filiale in Harsum der Geldautomat gesprengt worden war. Inzwischen läuft dort fast überall wieder der Regelbetrieb.
„Wir tun alles mögliche, um die Sicherheit zu erhöhen“, sagt auch Marko Volck, Pressesprecher der Hannoverschen Volksbank eG zu der unter anderem die Volksbank Hildesheimer Börde gehört. Alle Filialen seien einem Sicherheitscheck unterzogen worden. Für alle gebe es individuelle Maßnahmen, die Volck nicht im Detail nennen will, die nun aber in der Umsetzung seien. Dazu gehöre auch, dass in Kürze 20 SB-Standorte nachts geschlossen werden. Welche kann er noch nicht sagen, das werde in Kürze bekanntgeben, kündigt er an. Zu den Geldautomaten seines Unternehmens sagt er, dass die dem neuesten Standard in Deutschland entsprechen. „Dem zertifizierten Standard“, präzisiert Volck und zielt damit auf die Äußerung der niedersächsischen Justizministerin Kathrin Wahlmann ab, die ein Sicherungssystem einforderte, das in Deutschland noch gar nicht für diesen Gebrauch zertifiziert ist. „Die ist in Deutschland weder zugelassen noch wird sie vom Landeskriminalamt empfohlen“, so Volck.
Die Volksbank Hildesheim-Lehrte-Peine hat bereits vor zwei Monaten auf die Anschläge reagiert: Ihre SB-Bereiche sind seitdem von 23 bis 5 Uhr geschlossen. Zudem investiere das Unternehmen derzeit in zusätzliche neue, effiziente, technische Maßnahmen, um auf die sich verändernden Vorgehensweisen der Täter zu reagieren. „Dazu zählen besondere Sicherungsmechanismen der Zugänge zu den SB-Bereichen und der Einsatz von Vernebelungstechnik. Diese Maßnahmen, die grundsätzlichen Empfehlungen der Sachversicherer und Polizei folgen, sollen zusätzlich dazu beitragen, unsere Standorte abzusichern, Vandalismusschäden oder Sprengungen zu vermeiden und kriminellen Handlungen grundsätzlich schon eine Stufe vorher vorzubeugen“, sagt Angelika Babinski, Pressesprecherin in der Hildesheimer Hauptstelle der Bank.
Umfangreiche Sicherheitskonzepte
Auch auf Bundesebene wird das Thema Sicherheit rund um die Geldautomaten groß geschrieben. „Das beschäftigt alle die zum Kreditwirtschaftssektor gehören“, sagt Cornelia Schulze, Pressesprecherin des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Und deshalb würden auch alle Spitzenverbände der Branche im Schulterschluss mit den Behörden an einem gemeinsamen Konzept arbeiten. Das passiere unter dem Dach der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) dem alle Banken- und Sparkassenverbände angehören.
„Banken und Sparkassen setzen für ihre Geldautomaten Sicherungskonzepte ein, die durch das Zusammenwirken von baulichen, mechanischen, elektronischen und organisatorischen Maßnahmen auf eine höchstmögliche Prävention zielen“, erklärt Tanja Beller, DK-Pressesprecherin. Zu diesen Maßnahmen würden beispielsweise der Einsatz von Einbruchmeldetechnik, Vernebelungs- und Videoübertragungssystemen sowie flankierend spezielle bauliche Sicherungen gehören. Der Einsatz von Einfärbe-Systemen oder Gasdetektoren gehöre ebenfalls in den Katalog möglicher Maßnahmen. Um Angriffen auf Geldautomaten vorzubeugen, könnten zudem gefährdete Standorte auch zur Nachtzeit geschlossen werden – wie es derzeit eben auch bereits in einigen Filialen im Kreis Hildesheim der Fall ist.
Automatenbetreiber analysieren das individuelle Risiko des Standorts
„Welche Maßnahmen in welcher Kombination getroffen werden, hängt stets von der aktuellen Risiko- und Gefährdungssituation des Standortes ab“, so Beller. Die Automatenbetreiber analysieren dafür regelmäßig auf Basis eines bundesweit einheitlichen Rasters das individuelle Risiko des Standorts. Das Ergebnis zeige dann an, ob der bestehende Maßnahmen-Mix einen ausreichenden Schutz für den Standort darstellt oder ob diese angepasst werden müssen.
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