Hannover/Nordstemmen - Schloss Marienburg droht zum Jahresende die komplette Schließung, die Beschäftigten haben bereits die Kündigung erhalten – und viele von ihnen erheben bittere Vorwürfe gegen das Land. Unter anderem werfen sie dem Kulturministerium vor, dieses habe, um den Pächter Nicolaus von Schöning loszuwerden, ein Gutachten initiiert, das letztlich zur Sperrung der Schlossräume geführt habe.
Kulturminister Falko Mohrs (SPD) hat solche Vorwürfe jetzt klar zurückgewiesen. Das Land habe kein Gutachten initiiert. Vielmehr habe die Stiftung Schloss Marienburg im Vorfeld der geplanten Sanierung an mehreren Stellen Bauteile öffnen lassen, weil dort Veränderungen aufgefallen waren. Dabei seien schwere Schäden durch Hausschwamm am Tragwerk sichtbar geworden. Über diese Ergebnisse sei die Bauaufsicht unmittelbar informiert worden.
„Die Standsicherheit steht infrage, es drohten Gefahren für Leib und Leben“, sagt Mohrs. Den Vorwurf, dass es sich um ein politisches Gefälligkeitsgutachten handele, weist er zurück: „In der Stellungnahme steht explizit, dass Publikumsverkehr ein Risiko darstellt. Dies konnte die Bauaufsicht ja nicht ignorieren.“
„Niemand hat etwas gegen das ,Wintermärchen‘“
Um die Vermarktung des Schlosses hatte es immer wieder Zwist gegeben. Mohrs betont, dass er keinen Gegensatz darin sehe, einerseits ein seriöses Museumsprogramm und andererseits massentaugliche Veranstaltungen wie das „Wintermärchen“-Event auf der Marienburg zu präsentieren, wie Pächter von Schöning sie etabliert hat. „Niemand hat etwas gegen das ,Wintermärchen‘, es ging auch nie um das Ob, sondern um das Wie“, beteuert Mohrs.
Eigentümerin des Schlosses ist die Stiftung Schloss Marienburg, in deren fünfköpfigem Stiftungsrat die Region Hannover sowie mit zwei Stimmen das Land Niedersachsen den Ton angeben. Dieser hatte im Juni beschlossen, mit dem Pächter Gespräche über ein Ende der Geschäftsbeziehung zu führen und möglicherweise eine Kündigung auszusprechen.
Minister Mohrs räumt ein, dass die Zusammenarbeit mit dem Pächter in der Vergangenheit zeitweise schwierig gewesen sei: „Es ist uns beispielsweise nicht gelungen, mit ihm einen Grundkonsens darüber zu finden, welcher Anteil des Eintrittsgeldes dem Land zufließen soll“, sagt er. „Zu dieser Klärung haben uns Landesrechnungshof und Landtag aufgefordert.“
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Da die Burg für insgesamt 27,2 Millionen Euro aus Steuergeld saniert werde und auch im Betrieb Landeseigentum verwendet werde, sei es nur angemessen, dass ein Teil der erwirtschafteten Einnahmen auch dem Staat zugutekomme.
Zudem habe es in der Vergangenheit und auch in jüngster Zeit immer wieder Situationen gegeben, die sowohl die Stiftung als auch das Land als vertragswidriges Verhalten des Pächters gewertet hätten, sagt Minister Mohrs. Dazu gehöre insbesondere auch der Umgang mit dem kulturhistorisch einmaligen Inventar. Dadurch sei das Verhältnis weiter belastet worden. Details dazu nannte der Minister nicht.
Dass die seit Langem geplante Sanierung des Schlosses noch nicht begonnen habe, obwohl das Geld dafür seit 2019 bereitstehe, sei „unbefriedigend“, räumt Mohrs ein. Doch die Planung sei kompliziert, zumal Zuwendungsrichtlinien des Bundes erfüllt werden müssten und europaweite Ausschreibungen nötig gewesen seien.
Wie es auf der Burg nun weitergeht, ist ungewiss: Der Pachtvertrag mit Nicolaus von Schöning sei bislang nicht gekündigt worden, betont Friederike Bock, die stellvertretend den Stiftungsvorstand innehat: „Ob und wie wir mit dem bisherigen Pächter weiter zusammenarbeiten, ist offen.“ Den entlassenen Beschäftigten bleibt vorerst nur die Hoffnung, dass die Beteiligten doch noch rasch gemeinsam einen Weg finden, um das Schloss zumindest teilweise offen zu halten – allen Sperrungen und Bauarbeiten zum Trotz.
Von Simon Benne
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