Mehrum - Das Steinkohle-Kraftwerk in Mehrum hat schon seit vergangenem März ausgedient. In wenigen Tagen werden die ersten Teile der gewaltigen Anlage gesprengt. Ein tiefer Einschnitt in die Geschichte der Region. Denn damit verschwindet allmählich eine der auffälligsten Landmarken im Norden von Hildesheim von der Bildfläche, die noch in mehreren Dutzend Kilometern Entfernung zu erkennen ist. Am Samstagvormittag, 26. Oktober, sollen in einem ersten Schritt der großen Abrissaktion die zwei gut 70 Meter hohen, ehemaligen Aschesilos fallen.
Im kommenden Frühjahr ist nach Werksangaben geplant, den rund 250 Meter hohen Schornstein und den etwa 130 Meter hohen Kühlturm zu sprengen. Wann genau dies geschieht, steht derzeit noch nicht fest. Für das ebenfalls 130 Meter hohe Kesselhaus visiert das Abbruchunternehmen Freimuth aus dem Kreis Cuxhaven das Jahr 2026 an. Voraussichtlich 2027, so Projektleiter Matthias Tonn, soll der gesamte Abriss des Kraftwerks abgeschlossen sein.
Etwa 100 Sprengungen im Jahr
Nun aber sind zunächst die beiden Silos aus Stahlbeton an der Reihe. Am Werk ist dem Abbruchunternehmen zufolge der erfahrene Sprengmeister Eduard Reisch aus Bayern. „Der ist total routiniert. Er macht etwa 100 Sprengungen im Jahr. Das wird also in Mehrum auf jeden Fall klappen“, so Tonn weiter.
Etwa 100 Löcher sollen jeweils mit speziellen Kernbohrern in den Beton der Silos gebohrt werden, in diese wird Sprengstoff platziert. Nach dessen Zündung sollen die Bauwerke „in sich zusammenfallen“, fügt Tonn hinzu.
Rund 150 Menschen im Einsatz
All das wird in einem Sicherheitsradius geschehen. In diesem Gebiet werden Straßen gesperrt. Dies betrifft den Bereich Ackerköpfe und die Triftstraße, damit dort vorübergehend kein Verkehr fließt. Etwa 150 Menschen, darunter auch Kräfte der Feuerwehr und Polizei, sind insgesamt im Einsatz. Zum Sprengteam gehören insgesamt 50 Leute.
Die umfangreiche Aktion ist unter anderem mit dem Landkreis Peine und dem Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig als Genehmigungsbehörde abgestimmt, berichtet Armin Fieber, Geschäftsführer des Kraftwerks Mehrum. Aus Sicherheitsgründen werden zunächst die Silos beseitigt, ursprünglich sollten der Kühlturm und der Schornstein bereits in diesem Monat kontrolliert zu Boden gehen. Doch deren Fallrichtung befindet sich in Richtung der Silos.
„Ein richtiges Erlebnis“
Mit der nun „verkleinert“ vorgesehenen Sprengung wollen die Planer auch mit Blick auf die vom Kraftwerk etwa 200 Meter entfernten zwei Umspannwerke auf „Nummer sicher“ gehen. Die sind laut Netzbetreiber Tennet Dreh- und Angelpunkt der regionalen und überregionalen Stromversorgung. Dort laufen zahlreiche Hoch- und Höchstspannungsleitungen zusammen. Durch die in verschiedene Schritte unterteilten Sprengungen sollen auch sehr unwahrscheinliche Störungen ausgeschlossen werden, so Fieber.
Zunächst verschwinden also die Silos, dies ist für Beobachter und Beobachterinnen „schon spannend“, berichtet Abbruch-Projektleiter Tonn. „Noch spektakulärer ist dann die Sprengung des Kühlturms und des Schornsteins im kommenden Jahr. Das ist ein richtiges Erlebnis, so etwas passiert nur alle fünf bis zehn Jahre in Deutschland“, berichtet Tonn.
