HAZ-Serie zum Heizungsgesetz

Technik, Kosten, Abstände, Stromnetz: Was Sie über Wärmepumpen wissen müssen

Hildesheim - Über Wärmepumpen wird seit Monaten heiß diskutiert. Sie sollen ein wesentliches Element der Energiewende beim Heizen werden. Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wärmepumpen sind zunehmend ein vertrauter Anblick in Stadt und Landkreis Hildesheim - vor allem in Neubaugebieten. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Im ersten Entwurf des neuen Heizungsgesetzes sollten sie eine überragende Rolle spielen, nach den jetzigen Plänen immer noch eine sehr wichtige: Wärmepumpen. Vor allem in Neubaugebieten sind sie inzwischen an Ein- und auch Mehrfamilienhäusern ein häufiger und vertrauter Anblick. Heftige Debatten gibt es jedoch um die Eignung in Altbauten. Anders als oft behauptet sind Fußbodenheizungen keine Voraussetzung für Wärmepumpen, normale Heizkörper reichen meist aus. Was aber stimmt: Ist ein Haus nicht gut gedämmt, kann die Wärmepumpe ineffizient sein, weil sie unverhältnismäßig viel Energie braucht, um die gewünschten Raumtemperaturen zu gewährleisten.

Wie funktionieren Wärmepumpen?

Eine Luftwärmepumpe, die häufigste Variante, saugt Luft an und nutzt deren Temperatur, um ein Kältemittel zu verdampfen, das schon bei deutlichen Minusgraden gasförmig wird. Das entstandene Gas wird dann stark verdichtet, wodurch seine Temperatur massiv ansteigt. Diese Wärme kann dann an den Wasserkreislauf im Heizungssystem abgegeben erden. Das Kältemittel kühlt aus und verflüssigt sich wieder, der Kreislauf beginnt von Neuem.

Bei Erdwärmepumpen wird eine Sole tief in die Erde geleitet und dort erwärmt, ehe sie wieder nach oben gepumpt wird, wo dann der gleiche Effekt genutzt wird wie bei der Luftwärmepumpe. Hier sind Bohrungen in Tiefen von 70 bis 100 Metern nötig, diese sind genehmigungspflichtig.

Großwärmepumpen funktionieren ähnlich, haben aber eine weitaus größere Leistung und werden zum Heizen größerer Gebäude oder auch kleiner Quartiere eingesetzt. Sie können sogar Energiequelle für ein Nahwärmenetz sein oder als Teil eines Gesamtkonzeptes zusammen mit anderen Heizungsarten eingesetzt werden.

Was kosten Wärmepumpen?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Jörg Bokelmann, Obermeister der Sanitär- und Heizungsinnung Hildesheim, bezeichnet Wärmepumpen als „für die Zukunft wahrscheinlich beste Alternative“, rät Interessierten aber dazu, noch etwas zu warten. Denn: Die nun geplanten Fördersätze von bis zu 50 Prozent und sogar bis zu 70 Prozent für sozial Schwache seien höher als die aktuell gültigen. „Wer nach den jetzigen Kriterien anschafft, bekommt auch nur die aktuelle Förderung. Es empfiehlt sich, zu warten, bis die nun geplante Unterstützung Gesetzeskraft hat.“ Diese Zeit gebe es nun aber, da der neue Gesetzesentwurf Hausbesitzern mehr Zeit für eine Umstellung lasse. Sicher ist: Ist neben dem neuen Gerät auch eine zusätzliche Dämmung oder andere Baumaßnahmen nötig, wird es natürlich noch einmal weitaus teurer.

Gibt es überhaupt genug Handwerker?

Kritiker merken häufig an, es gebe in Deutschland gar nicht genug Fachkräfte, um so viele Wärmepumpen zu verbauen, wie die Bundesregierung sich wünscht. Tatsächlich ist es deutlich aufwendiger, eine Wärmepumpe einzubauen als eine Gasheizung, sagt Bokelmann: „Man muss etwa mit dem doppelten Zeitaufwand kalkulieren.“ Das gelte zum einen für Installation und Anschluss selbst – aber auch für die vorherige Planung: „Eine Wärmepumpe muss man hundertprozentig akkurat planen und auslegen, damit sie mit vernünftigem Stromverbrauch optimal Wärme liefert.“

Wo dürfen die Anlagen stehen?

Das hat das Land Niedersachsen erst vor wenigen Wochen neue geregelt: Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen freistehende Wärmepumpen einschließlich ihrer Fundamente und Einhausungen mit einer Höhe bis zu zwei Metern an der Grundstücksgrenze aufgestellt werden. Dabei darf die Wärmepumpe nur auf einer Länge von bis zu drei Metern an der Grenze stehen. Das gilt aber nur, wenn die Grenzabstände ansonsten nicht eingehalten werden können – was vor allem bei Reihenmittelhäusern der Fall sein könnte – und keine unzumutbare Lärmbelastung für die Nachbarn entsteht. Weiteres dazu steht in der Niedersächsischen Bauordnung.

Kann das Stromnetz den Ausbau überhaupt bewältigen?

Mehr Wärmepumpen, mehr E-Autos und damit insgesamt deutlich mehr Stromverbrauch könnten die Stromnetze zusammenbrechen lassen – auch das ist ein häufiger Kritikpunkt mit Blick auf die Heizungswende. Doch ist diese Sorge berechtigt?

Massive Investitionen sind notwendig, aber Engpässe lassen sich vermeiden. Zu dieser Einschätzung gelangt der Netzbetreiber Avacon, der das Stromnetz in weiten Teilen des Landkreises verantwortet. „Wir werden in den nächsten Jahren in unsere Energienetze investieren, um sie fit für die zukünftigen Herausforderungen zu machen“, sagt Sprecherin Katharina Krause.

Netze digitalisieren

Dabei gehe es um eine Verstärkung von Leitungen und Trafos, vor allem aber um eine Digitalisierung des Netzes, um es mit intelligenter Technik optimal steuern zu können. „In Summe streben wir an, dass unsere Kunden nach ihren eigenen Interessen Wärmepumpen, Wallboxen und so weiter installieren können, ohne dass dadurch Netzengpässe entstehen“, betont Krause.

Die EVI Energieversorgung Hildesheim betont zwar, dass Wärmepumpen „zustimmungspflichtig“ sind und folglich beim Netzbetreiber angemeldet werden müssen wie zum Beispiel auch Photovoltaik-Anlagen. Der Netzbetreiber prüft und beurteilt dann, ob die Kapazitäten im Stromnetz ausreichend sind. „Bis dato mussten wir noch keine Anmeldung einer Wärmepumpe ablehnen“, betont Groß.

Netze enthalten Puffer

Unbesorgt zeigt sich auch das Überlandwerk Leinetal (ÜWL) als Betreiber des Stromnetzes in weiten Teilen des West- und Südkreises. „Die Umstellung erfolgt ja nicht plötzlich“, sagt Geschäftsführer Frederik Wille. Der schrittweise Zubau an Wärmepumpen werde die Netze sogar weniger stark belasten als der Ausbau der Elektromobilität. Ein Grund dafür: „Der Gebäudestandard wird kontinuierlich verbessert, dadurch sinkt der Primärenergiebedarf.“

Hinzu komme, dass die Netze Puffer enthielten. Denn sie seien einst für Stromheizungen ausgelegt worden, deren Zahl aber kontinuierlich gesunken sei. Entlastung gebe es auch durch immer mehr Photovoltaik-Anlagen mit Speicher. „Gleichwohl investieren wir weiterhin und in steigendem Ausmaß in unsere Netze.“ Daher sehe sich das ÜWL „gut gerüstet“.


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