Parkärger an der Uni

Frust bei Anliegern und Uni-Angehörigen in Hildesheim: Wann kommt endlich eine Lösung für zugeparkte Plätze an der Hochschule?

Hildesheim - Jedes Jahr zum Semesterauftakt die gleiche Situation: Frust bei Anliegern und Hochschulangehörigen. Dabei gibt es auch jetzt neue Erleichterungen. Doch die reichen nicht, weil die große Lösung für das Problem fehlt, findet eine Anlieger-BI (mit Kommentar).

Blick von der Allensteiner Straße auf den Uni-Parkplatz: alles voll mit Autos. Foto: Joscha Röhrkasse

Hildesheim - Jedes Jahr der gleiche Ärger: Anlieger der Universität klagen über zugeparkte Plätze und Einfahrten. Allein am vergangenen Donnerstag stellte der Stadtordnungsdienst elf Verstöße fest. Die Stadt will die Kontrollen dort nun jetzt auch wieder verstärken.

Jahr für Jahr bietet die Universität neue Lösungen an, um das Problem in den Griff zu bekommen. Doch die reichen anscheinend bei Weitem nicht aus. Die erhoffte Lösung der Anwohner ist, dass die Stadt das Gebiet am Hauptcampus zur Anliegerparkzone erklärt. Doch Stadtbaurätin Andrea Döring lehnt das ab – aus rechtlichen Gründen, wie sie immer wieder betont. Dabei setzen immer mehr Kommunen darauf, Parklösungen für Bewohner in Stadtteilen einzurichten.

Der Konflikt auf der Marienburger Höhe entzündet sich jedes Jahr regelmäßig im Oktober mit dem Beginn des Wintersemesters, wenn die neuen Studienanfänger an den Start gehen. In diesem Jahr sind es am Hauptcampus rund neue 1800 Studierende. Insgesamt sind es an allen Standorten mehr als 8000. Hinzu kommen die Beschäftigten der Hochschule, darunter ebenfalls viele Autofahrer.

Höhepunkt bei Vorlesungsschluss

Christina Kutzner, Mitglied einer Anwohnerinitiative, hat die Situation regelmäßig im Blick. Am vergangenen Donnerstag hat sie es auch in einem Video festgehalten: „Um 18 Uhr ging zeitweise nichts mehr, als die Vorlesungen zu Ende gingen und die Studenten mit ihren Autos wegfahren wollten.“ Stau in der Allensteiner Straße und den Nebenwegen, Stau auf der Marienburger Straße – auch wegen der dort bestehenden Baustelle. Weil es um die Uhrzeit schon stockdunkel war und man fast nur die Rücklichter der Autos gesehen hatte, nennt sie es eine „Lichterfahrt“ in Anlehnung auf die gleichnamige Aktion im Dezember.

„Uns reicht es allmählich“, sagt Kutzner und hat Cristinel-Ioan Parecker, den stellvertretenden Ortsbürgermeister des Stadtteils angesprochen. Der will das Thema auf die nächste Ortsratssitzung am Dienstag, 21. November, um 19 Uhr in der Mensa der Oskar-Schindler-Gesamtschule setzen.

Die Universität Hildesheim steuert bereits seit Jahren gegen das Problem an. Sie hat zu Semesterbeginn alle Hochschulangehörigen und vor allem die Erstsemestler über das Problem informiert und verweist auf die nahegelegenen Ausweichparkplätze am Südfriedhof und an der Sportanlage Marienburger Höhe. Neu ist, dass die Ausfahrt zur Ortelsburger Straße für eine Probephase gesperrt ist. Eine Maßnahme, die bereits vergangenes Jahr im Gespräch gewesen war. Damals hatte Uni-Baudezernent Thomas Hanold darauf hingewiesen, dass die Maßnahme organisatorisch aufwendig sei und nur im Kombination mit dem Familienparkplatz realisiert werden könne – so, wie es jetzt umgesetzt worden ist. Laut Hanold zeigt die Sperrung der Ausfahrt bereits Wirkung, die Situation in der Ortelsburger Straße sei deutlich entlastet. „Es zeigt zwar Wirkung“, räumt auch Parecker ein. Aber eben nicht genug. Er sieht die Verwaltung in der Bringschuld: „Wir brauchen eine Regelung für das Anwohnerparken.“

Seitens der Uni ist bei dem Thema auch die Klimaschutzbeauftagte Katalin Kuse an Lösungen beteiligt. „Wir informieren auf allen Kanälen zu dem Thema, haben Schilder aufgestellt, außerdem gibt es jetzt reservierte Familienparkplätze bei uns“, zählt sie auf. Doch auch sie sieht, dass alle Maßnahmen, so gut sie im einzelnen funktionieren, insgesamt nicht ausreichen.

Tarifstreit verhindert Jobticket

Ein Problem, das weder Uni noch Stadtverwaltung lösen können, ist, dass sich die Tarifpartner für den Öffentlichen Dienst des Landes nicht auf die Einführung des Jobtickets und des Job-Bike-Angebotes einigen konnten. „Auf kommunaler Ebene ist es möglich und wird auch gut angenommen“, sagt Kuse. Nur bei den Studierenden gibt es das günstige Semesterticket für den ÖPNV. „Wenn aber wie letztes Jahr viele Fahrten aus Personalmangel nicht angeboten wurden, steigen die Studierenden natürlich aufs Auto um.“

Deswegen ist sie auch für eine Anliegerparklösung – zumindest solange das anvisierte Mobilitätskonzept noch Zukunftsmusik ist. Denn der Parkdruck treibt auch kuriose Blüten sagt sie: „Studierende suchen Parkplätze im Wohngebiet, Anlieger weichen auf den Uni-Parkplatz aus.“ Ein Geben und Nehmen quasi – aber auch keine Lösung für das Grundproblem.


Kommentar: Endlich eine Lösung finden

Wie man es dreht und wendet: Für das Parkproblem an der Uni und im anliegenden Wohngebiet greift keine Lösung, die auf Appelle und guten Willen setzt. Es gibt zwar viele kleine Stellschrauben, an denen Hochschule und Stadtverwaltung drehen, aber sie reichen bei Weitem nicht aus. Und das angekündigte große Mobilitätskonzept der Stadt liegt noch in weiter Ferne. Die beste Lösung wäre es, beide Nutzergruppen strikt zu trennen: Hochschulangehörige und Anlieger. Das funktioniert aber nur durch eine Bewohnerparkzone. Doch dagegen wehrt sich die Stadt. Die Straßenverkehrsordnung bietet aber für begrenzte Gebiete Optionen – wenn zum Beispiel ein hoher Parkdruck herrscht. Wie rund um den Hauptcampus auf der Höhe.

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