Folgen des Brandes

Bloß leere Klinikgebäude? Warum der Großbrand in Diekholzen für die Gemeinde ein schwerer Rückschlag ist

Diekholzen - Die beiden Gebäude, die auf dem Gelände der ehemaligen Lungenklinik Diekholzen ausbrannten, stehen zwar seit Jahren leer – aber sie spielten bei der vorerst letzten Hoffnung der Gemeinde auf eine Nachnutzung des Areals eine große Rolle.

Feuerwehrleute löschen die letzten Brandnester in der ehemaligen Privatstation der früheren Lungenklinik. Foto: Geoffrey May

Diekholzen - Zwei ehemalige Klinikgebäude, die seit fünfeinhalb Jahren ungenutzt leer stehen, sind ausgebrannt – da halten sich die Folgen in Grenzen, oder? Nein, denn für die Gemeinde Diekholzen macht der Brand einen Strich durch die vorerst letzte Perspektive einer jahrelangen Planungsodyssee mit dem Ziel, das Gelände für Wohnzwecke zu nutzen. Seit 2018 gab es ungezählte Etappen. Naturschutzbedenken des Landkreises Hildesheim ließen Pläne für Neubauten am Bahnberg immer weiter schrumpfen. Im vergangenen Jahr besiegelte die Kreisverwaltung durch eine sogenannte Teilversagung des jüngsten Flächennutzungsplans (F-Plan) im Grunde das Aus für fast jede Form von Neubaugebiet auf dem Areal. Seitdem die Gemeinde das Klinikgelände vor fünf Jahren vom Kreis kaufte, hat sich der Fokus noch nie so sehr auf den Bestand der Altgebäude gerichtet wie in den vergangenen Monaten. Mit jedem Jahr, das planend verstrich, ruhte auf ihnen mehr Hoffnung, mit dem alten Gelände noch etwas vernünftiges Neues anfangen zu können. Nun das: Zwei der Gebäude brennen aus. Und die Gemeinde Diekholzen steht plötzlich wieder vor einem Berg Fragen.

Die Kernfragen

Die eine: Wird die Heimstatt Röderhof, die am Bahnberg ein Wohnprojekt einrichten wollte, an ihrem Interesse festhalten – jetzt, wo die Ausgangslage durch den erheblichen Brandschaden völlig verändert ist?

Die nächste: Was ist durch die Wohngebäudeversicherung für die Leerstände überhaupt noch abgedeckt? Erhält die Gemeinde noch einen halbwegs ausreichenden Betrag für eine Instandsetzung? „Das wird geprüft“, erklärte Bürgermeister Matthias Bludau am Mittwoch. Unklar ist auch noch, wie groß der Schaden ist – vielleicht ist die Ruine auch abrissreif. Lohnt sich der Aufwand einer Sanierung? Würde sich ein Interessent wie die Heimstatt beteiligen?

Und, nicht zuletzt, eine weitere Kernfrage: Wäre es überhaupt zulässig, die Brandruinen wieder aufzubauen? Zwar hatte die Kreisverwaltung den alten Gebäuden einen gewissen Bestandsschutz eingeräumt. Neubauten an derselben Stelle wären allerdings wegen eines zu geringen Abstandes zum Waldrand nicht erlaubt. Die Gretchenfrage aus Sicht der Genehmigungsbehörde: Wie neu wäre das, was nach dem Brand entsteht? – So steht die Gemeinde plötzlich vor einem Scherbenhaufen und vor der Frage, was aus besagten Scherben noch zu konstruieren ist.

Stetig schrumpfende Visionen

Dabei waren die Planungen mit großen Visionen gestartet: Als das Gelände noch dem Landkreis Hildesheim gehörte, war unter Beteiligung der kwg Kreiswohnbau im Spätsommer 2018 zunächst sogar von 50 neuen Häusern und bis zu 158 Wohnungen die Rede. Die erste abgespeckte Version nach dem Grundstückskauf durch die Gemeinde beschränkte sich ein Jahr später auf gut die Hälfte. Doch auch das war dem Kreis als Aufsichtsbehörde zu viel: Im folgenden Jahr trat er kräftig auf die Bremse, äußerte „erheblichste“ Bedenken wegen des Naturschutzes und hielt sie seitdem aufrecht. Im vergangenen Jahr legte die Gemeinde erst Widerspruch gegen die Teilversagung des F-Plans ein, dachte über eine Klage nach, verzichtete dann aber auf diese und startete stattdessen einen neuen Anlauf mit einem anderen Planer. Er soll die Notwendigkeit, am Bahnberg Wohnen zu ermöglichen, besser begründen.

Buchstäblich über Nacht haben sich nun wieder die Voraussetzungen geändert – und die Ratsgremien werden sich bald wieder mit dem Thema befassen müssen.

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