Nordstemmen/Hannover - Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs (SPD) hat die Sperrung der Innenräume von Schloss Marienburg verteidigt. Diese sei der „einzig verantwortliche Weg“ gewesen, um „Leib und Leben“ von Besuchern und Beschäftigten zu schützen, erklärte Mohrs im Kulturausschuss des Landtages. Auf behördliches Betreiben sind die Innenräume des Schlosses seit Monaten für das Publikum gesperrt. Es heißt, Hausschwamm im Dachstuhl gefährde die Standsicherheit des Gebäudes.
Den Ausschlag für die Sperrung habe eine baufachliche Untersuchung gegeben, für die im Sommer an mehreren Stellen Gebäudeteile geöffnet worden waren. Das Ergebnis sei „erschreckend“ gewesen, so Mohrs: „An keinem der Punkte war gesundes Tragwerk anzutreffen.“
Kritische Stimmen monieren, dass die Stellungnahme, die letztlich zur Sperrung führte, vom Ingenieurbüro Schütt in Münster stamme, das auch den Zuschlag für die Planung der anstehenden Sanierungsarbeiten bekommen hat. Entschieden wies Mohrs den Verdacht zurück, das Büro habe ein Eigeninteresse daran, die Bauarbeiten ohne lästigen Besucherverkehr durchzuführen: „Es gibt keinen Grund, an der Fachlichkeit des Generalplaners zu zweifeln.“
„Ein bisschen zynisch“
Der Pächter der Burg, Nicolaus von Schöning, hatte nach der Sperrung mehr als 70 Beschäftigte entlassen. Viele von diesen sehen nun das Land in der Pflicht, das in der Stiftung Schloss Marienburg den Ton angibt: „Wir fordern, dass jetzt ein unabhängiges Gutachten erstellt wird, um zu klären, ob die Räume wirklich komplett geschlossen werden müssen oder ob sie während der Sanierung wenigstens teilweise geöffnet bleiben können“, sagt Tatjana Pohl, die auf dem Schloss bislang Theaterführungen durchgeführt hat. „So ließen sich womöglich Arbeitsplätze erhalten“ hofft die Schauspielerin.
Minister Mohrs jedoch lehnt dies ab. „Ein solches Gutachten müsste vom Pächter selbst beauftragt und bezahlt werden“, sagt er. Im Kulturausschuss kritisierte Martina Machulla (CDU) diese Argumentation als „ein bisschen zynisch“.
Mohrs musste sich in der Sitzung zahlreichen kritischen Fragen stellen. Dabei räumte er ein, dass die Stiftung Probleme habe, den seit August vakanten Posten ihres Vorstands zu besetzen. „Wir sind am Suchen“, sagte er. Mehrere Personen hätten jedoch bereits abgesagt; es sei nicht ausgeschlossen, dass ein „Notvorstand“ eingesetzt werden müsse. Der Posten dürfte nicht sonderlich hoch dotiert sein. „Abgesehen von ihren Pachteinnahmen verfügt die Stiftung über keine liquiden Mittel“, sagt Mohrs.
Nach Darstellung des Ministers ist es bislang nicht gelungen, sich mit dem Pächter auf einen abgespeckten Pachtvertrag allein für Restaurant und Außenbereich zu einigen. Die Stiftung will Nicolaus von Schöning mittlerweile am liebsten loswerden, doch dieser pocht darauf, dass er auf der Burg viel Geld investiert habe. Man habe sich nicht auf einen Preis für die Auflösung des Pachtvertrages einigen können, erklärte Mohrs: „Das hätte die Mittel der Stiftung um ein Vielfaches überstiegen.“
Sollen Baustellenführungen angeboten werden?
Die Regionsverwaltung zieht unterdessen in Betracht, mit dem Landesmuseum während der Bauzeit ein „museales Grundangebot in den nicht gesperrten Bereichen des Schlosses“ aufrechtzuerhalten. In diesem Rahmen könnten auch Baustellenführungen angeboten werden, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der Regionsabgeordneten Gunhild Fiedler-Dreyer (CDU). Auch Mohrs ließ sich im Kulturausschuss die Möglichkeit offen, im Zuge der Sanierung mit dem Generalplaner zu schauen, „ob bestimmte Dinge schneller in Betrieb gehen“ könnten. Es sieht so aus, als seien die Debatten um die Marienburg noch nicht zu Ende.
Von Simon Benne
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