Kreis Hildesheim - Es war schon länger abzusehen, dass das Land Niedersachsen den Kreisen ab Oktober mehr Flüchtlinge zuweisen würde. Nun stehen die genauen Quoten fest. Demnach steigt die Zahl für Stadt und Landkreis Hildesheim jeweils um mehr als ein Drittel: Zusammen müssen sie nach aktuellem Stand bis Ende März genau 1274 geflüchtete Frauen, Männer und Kinder aufnehmen. Von ihnen werden 471 in der Stadt Hildesheim untergebracht, die anderen 803 werden von der Kreisverwaltung auf die übrigen 17 Kommunen von Algermissen bis Alfeld verteilt. Gegenüber den Quoten, die für das Halbjahr bis Ende September galten, bedeutet das jeweils eine Steigerung von rund 37 Prozent.
Neue Unterkunft in Lamspringe hat am Donnerstag den Betrieb aufgenommen
Die geflüchteten Menschen unterzubringen, bleibt für Stadt und Landkreis eine Herausforderung. Der Wohnungsmarkt ist nach wie vor leergefegt. So setzt der Landkreis Hildesheim weiter auf Großunterkünfte, darunter eine Reihe angemieteter Hotels. Eine neue Flüchtlingsunterkunft hat am Donnerstag den Betrieb aufgenommen: In der alten Realschule in Lamspringe sind die ersten 25 Geflüchteten eingezogen. Bis zu 105 Menschen können dort insgesamt unterkommen.
Ab dieser Woche werden 24 Personen wöchentlich im Hildesheimer Land ankommen, damit ist laut Kreisverwaltung zumindest in den nächsten sechs Wochen zu rechnen. Da wird die Kapazität der Lamspringer Unterkunft, um die es viel politischen Wirbel gab, schon im November erschöpft sein. Dann muss der Kreis womöglich auch mehr als die zunächst eingeplanten 25 Bewohnerinnen und Bewohner in der Nikulka-Halle in Alfeld unterbringen, die voraussichtlich noch mindestens bis zum Sommer 2024 nicht für Schulsport zur Verfügung steht. Mögliche Standorte für weitere Unterkünfte werden kreisweit geprüft.
Wenig Resonanz auf Aufruf an die Städte und Gemeinden
Ein Aufruf der Kreisverwaltung an die Städte und Gemeinden, selbst Gebäude anzubieten, stieß nur auf geringe Resonanz – er wurde im Kreistag zwischenzeitlich noch einmal eindringlich erneuert. Pläne, Containerdörfer einzurichten, zum Beispiel in Harsum, wurden zwar nicht weiter verfolgt, könnten aber angesichts der deutlich steigenden Zahlen erneut auf den Tisch kommen. Zumindest hat Landrat Bernd Lynack diese Option als Notlösung nie ausgeschlossen.
Wer die Kosten für die Unterbringung übernimmt, ist nach wie vor nicht endgültig geklärt. Der Landkreis hofft auf stärkere finanzielle Unterstützung durch Bund und Land, zu den Thema soll es im November einen weiteren Gipfel geben. In diesem Jahr bleiben unter dem Strich mindestens eine Million Euro ungedeckter Kosten, die sich der Kreis Hildesheim und seine Kommunen im Verhältnis von einem Drittel zu zwei Dritteln teilen. Das hatten beide Seiten vor einem Jahr vereinbart – allerdings in der Hoffnung, die Kosten noch voll von Bund und Land erstattet zu bekommen, den Fehlbetrag also nur vorzustrecken. Für das kommende Jahr rechnet die Kreisverwaltung mittlerweile mit einem Defizit von rund 3,4 Millionen Euro ungedeckter Kosten für die Versorgung von Geflüchteten.
Wer dem Landkreis privaten Wohnraum für geflüchtete Menschen zur Verfügung stellen möchte, kann sich per E-Mail an folgende Adresse wenden: wohnraum@landkreishildesheim.de.
