Bildung

Neubau im Stadtfeld? Politiker einigen sich auf eine Lösung für die maroden Berufsschulen in Hildesheim

Hildesheim - Die seit Jahren andauernde Suche nach einem Grundstück für die Erweiterung der Hildesheimer Berufsschulen hat ein Ende: Die jeweils von SPD und Grünen geführten Mehrheitsgruppen aus Stadtrat und Kreistag haben sich auf eine Lösung verständigt. (mit Kommentar)

Der Neubau für die Herman-Nohl-Schule soll auf dem Gelände in der Mitte des Fotos rechts der B-6-Umgehung entstehen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die seit Jahren andauernde Suche nach einem Grundstück für die Erweiterung der Hildesheimer Berufsschulen hat ein Ende: Die jeweils von SPD und Grünen geführten Mehrheitsgruppen aus Stadtrat und Kreistag haben sich auf eine Lösung verständigt.

Danach soll die Stadt Hildesheim ein Grundstück an der Von-Thünen-Straße im Stadtfeld an den Landkreis in Erbpacht vergeben. Der Kreis kann dann dort ein dreistöckiges Gebäude errichten, in das die Herman-Nohl-Schule einziehen soll, die ihre Unterrichtsräume derzeit noch an der Steuerwalder Straße hat. Dort wiederum soll dann in einem nächsten Schritt durch Sanierungen und Neubauten ein gemeinsamer Standort der gewerblichen Berufsschulen Walter-Gropius und Werner-von-Siemens entstehen.

Der Plan des Landkreises sieht einen fortdauernden Modernisierungsprozess vor

Nach der Einigung der Mehrheitsfraktionen in Kreistag und Stadtrat soll jetzt alles sehr schnell gehen. „Noch vor der Sommerpause werden wir den Vertrag komplett durch die Gremien bringen“, sagte Holger Schröter-Mallohn, Chef der Grünen-Kreistagsfraktion, in einer Pressekonferenz aller vier Fraktionsvorsitzenden am Freitag. Die Einigung setzt einen Prozess in Gang, in dem die Gebäude der drei betroffenen Berufsschulen in Hildesheim entweder neu gebaut, komplett saniert oder aufgegeben werden. Derzeit befinden sich die Unterrichtsräume der Werner-von-Siemens-Schule an der Rathausstraße und in einem Gebäude an der Von-Thünen-Straße. Das Grundstück für den nun geplanten Neubau der Herman-Nohl-Schule liegt südlich dieses Gebäudes.

Dass in Sachen Berufsschul-Standorten etwas passieren muss, liegt an der maroden Gebäudesubstanz in den Gebäude an der Steuerwalder Straße, wo die Herman-Nohl-Schule und die Walter-Gropius-Schule sitzen. Der Plan des Landkreises sieht einen fortdauernden Modernisierungsprozess vor, der sich über einen Zeitraum von zehn Jahren streckt und Investitionen von 100 Millionen Euro erfordert.

Der Umzug der Herman-Nohl-Schule sei der erste Schritt

„Wir wollen den Berufsschulstandort in Hildesheim halten“, betonte Werner Preissner, Fraktions-Chef der SPD im Kreistag, „das ist auch ein wichtiges Signal an die Wirtschaft.“ Der Umzug der Herman-Nohl-Schule sei nun der erste Schritt, sagte der Sozialdemokrat, sein Grünen-Kollege Schröter-Mallohn sprach gegenüber der HAZ von einem „Eckstein“.

Da der Neubau und die Sanierung der bestehenden Schulgebäude bei laufendem Betrieb geschehen, muss der Ablauf der Arbeiten genau koordiniert werden. Zunächst wird das neue Gebäude an der Von-Thünen-Straße errichtet, in das dann einige Bereiche der Hermann-Nohl-Schule einziehen. Die dann freien Bereiche an der Steuerwalder Straße werden daraufhin kernsaniert oder gänzlich neugebaut. Die Schülerinnen und Schüler sollen während dieser Bauphase zwischen den Gebäuden rotieren. Je nach Fortschritt der Arbeiten soll dann die Hermann-Nohl-Schule in das aktuell von der Werner-von-Siemens-Schule genutzte Gebäude im Stadtfeld ziehen.

Folgen für die Werner-von-Siemens-Schule

Für die Werner-von-Siemens-Schule bedeutet das einen doppelten Umzug. Denn auch ihre Unterrichtsräume an der Rathausstraße fallen weg: Auf der Fläche des heutigen Schulgebäudes soll sozialer Wohnungsraum entstehen. Ursprünglich wollte die Stadt diese Sozialwohnungen im Neubaugebiet an der Von-Thünen-Straße schaffen. Das ist mit dem Pachtvertrag für das Grundstück aber auch nicht völlig vom Tisch. „Wir vergeben nur zwei Drittel der Fläche an den Landkreis“, sagt Ulrich Räbiger, Grünen-Fraktions-Chef im Stadtrat, „die übrige Fläche wollen wir für sozialen Wohnungsbau nutzen.“

Auch der SPD-Stadtratsfraktion ist die Nutzung der Fläche in der Rathausstraße für den sozialen Wohnungsbau wichtig, erklärte Fraktionschef Stephan Lenz: So ersetze die Stadt den dafür ursprünglich im Stadtfeld vorgesehenen Bereich. Doch mit der geringeren Fläche für die Hermann-Nohl-Schule änderten sich auch die Planungen für deren Neubau: Ursprünglich war ein zweigeschossiges Gebäude vorgesehen, nun soll es drei Geschosse geben.

„Berufsschulen führen immer zu Autoverkehr“

Auf einhellige Zustimmung fällt die von den Mehrheitsgruppen erarbeitete Lösung nicht. Dennis Münter, CDU-Fraktions-Chef im Stadtrat, kann sich damit nicht anfreunden. Er sitzt auch im Ortsrat Oststadt/Stadtfeld und warnt vor einer Überforderung der Bewohner durch den Verkehr. „Wir können die Bürger nicht noch einmal belasten“, sagt Münter, „Berufsschulen führen immer zu Autoverkehr“. Direkt angrenzend zur neuen Berufsschule plant die Stadt das Gefahrenabwehrzentrum, in dem Berufsfeuerwehr, die Freiwilligen Feuerwehren der Innenstadt sowie die Rettungswache untergebracht werden. SPD-Fraktionschef Lenz setzt darauf, dass die Berufsschüler nicht in großer Zahl mit dem Auto kommen: „Viele werden mit dem Bus fahren oder hoffentlich auch mit dem Fahrrad.“ Um die Bedingungen für beide Möglichkeiten zu verbessern, soll der Kreis die Kosten für eine ÖPNV-Anbindung des neuen Herman-Nohl-Schulstandortes übernehmen; die Stadt wiederum ertüchtigt den Radweg vom Hauptbahnhof zur von-Thünen-Straße.

Voraussetzung für all das sind jeweils entsprechende Beschlüssen des Hildesheimer Stadtrates und des Kreistags.


Endlich eine Lösung

Na endlich! Jahrelang ging es bei der Suche nach einer Lösung für die Berufsschulen nicht voran, noch vor kurzem endete ein Gipfel zwischen Vertretern aus Politik und Verwaltung von Stadt und Kreis mit allgemeiner Enttäuschung. Dass die Mehrheitsgruppen von Rat und Kreistag nun das Heft das Handelns in die Hand genommen haben, entspricht zwar nicht der reinen demokratischen Lehre, in diesem Sonderfall mag der Zweck – nämlich sich endlich zu einigen – aber das Mittel heiligen. Der Kreis bekommt seinen favorisierten Standort, die Stadt Sozialwohnungen mitten im Zentrum. Den Preis des Kompromisses zahlen die Menschen im Stadtfeld: Dort wird der Verkehr zunehmen – in welchem Ausmaß allerdings, bleibt abzuwarten.

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