Ranking

Neugierig auf prächtige Burgen und schöne Schlösser? HAZ-Redakteur kürt seine fünf Favoriten im Hildesheimer Land

Kreis Hildesheim - Im Kreis Hildesheim wimmelt es von imposanten Burgen und prächtigen Schlössern. Fünf von ihnen sind ganz besonders, meint Redakteur Alexander Raths. Das sind seine Gründe. Ein HAZ-Ranking. (mit Video, Karte und Umfrage)

HAZ-Redakteur Alexander Raths hat fünf Schlösser und Burgen unter die Lupe genommen. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Es sind oft nur wenige Kilometer, und schon steht man auf dem nächsten Schlosshof oder vor den hohen Mauern einer Burg. Alte Adelssitze prägen die Region Hildesheim. Es lohnt sich, sie bei einem Ausflug anzusteuern. HAZ-Redakteur Alexander Raths hat sich einige angeschaut – und findet fünf Schlösser und Burgen besonders attraktiv. Das ist sein persönliches Ranking.

Wasserschloss Rössing

Etwas versteckt in Rössing findet man ein Wasserschloss. Der Sitz derer von Rössing mit familiären Ursprüngen im Mittelalter. Von 1586 bis 1589 erbaute Ludolph von Rössing eine zweiflügelige Anlage aus Fachwerk mit rundem Turm. Um 1830 wurde dieses durch ein Herrenhaus erweitert, das 1909 mit einer neugotischen Fassade und einem Turm ausgestattet wurde. Es ist eine grüne Oase der Ruhe und hat im Herbst besonderen Charme. Spaziergänger gehen durch raschelndes Laub, manchmal ist leises Plätschern des Wassers im Graben zu hören, der die Anlage umgibt. Eine Bruchsteinbrücke führt zu den Gebäuden, die 1821 eine Zugbrücke ersetzt. Die Fassade des Schlosses spiegelt sich im Wasser. Hier heiraten etliche Paare – und übernachten können Gäste dort auch. Es gibt Doppelzimmer für Messe-Besucher. In einem Anwesen mit einem imposanten Fachwerkanbau, das in dem Park mit alten Bäumen ringsum wie eine Filmkulisse wirkt. Ein romantischer Ort, abseits von Alltagshektik, manchmal sind dort nur Vögel zu hören. Wer Blicke hinter die Mauern des Schlosses in Privatbesitz werfen will, muss sich an Eigentümerin Tita von Rössing wenden. Ungebetene Gäste sind unerwünscht, auf Anfrage können Besucher Zutritt bekommen. Aber nicht massenweise. Doch auch schon ein Spaziergang in der Nähe des Schlosses liefert schöne Eindrücke. Nebenan gibt’s auch ein Restaurant. Keine Frage für mich, Schloss Rössing ist die Nummer 1.

Burg Wohldenberg

Wohldenberg ist ein kleines Dorf der Gemeinde Holle. Über ihm, mitten im dichten Forst, thront die Burg Wohldenberg. Wer hinauf will, begegnet schon mal zotteligen Rindern im Hutewald. Tiere der Highland Cattle-Rasse, mächtige Exemplare mit schottischen Wurzeln. Weiter führt der Weg durch den Wald. Dann fällt der Blick auf hohe Mauern. Die Burg Wohldenberg, zuletzt Testsieger bei einer bundesweiten Analyse von Online-Bewertungen und die Barockkirche sind zugänglich. Dieser Ort habe „Magie“, schwärmt Holles Bürgermeister Falk-Olaf Hoppe. Und ja, die Burg hat Anziehungskraft. Dort kann man die Zeit gemütlich verbringen. Es gibt ein sonntägliches Burgcafé, das aber bis Januar 2025 Pause hat. Besichtigen können Besucher die Kirche St. Hubertus. Diesen Namen trägt übrigens auch der schillernde Pfau, der durch den Garten von Pfarrer Stefan Lampe stolziert, der hier lebt. „Der Garten ist nicht unordentlich, sondern ein 5-Sterne-Hotel für Insekten“, steht auf einem Schild. Humor ist für Pastor Lampe sowieso Trumpf, der in einem Pfarrhaus von anno 1713 wohnt. Zum Ensemble, das zum Besitz des Bistums Hildesheim gehört, zählt auch ein 32 Meter hoher Turm. Auch der ist fürs Publikum zugänglich. Wer 132 Stufen erklimmt, hat einen grandiosen Ausblick ins Umland. „Manchmal muss ich mich immer noch kneifen. In diesem katholischen Disneyland“, scherzt Lampe mit Blick auf die „feste Burg des Glaubens.“ Die idyllisch gelegene Burg Wohldenberg ist auch ein Treffpunkt für Liebespaare, berichtet Lampe. Wen wundert’s? Meine Wertung im Ranking: Platz 2.

Schloss Derneburg

Nicht weit von Burg Wohldenberg entfernt reckt sich das nächste stolze Schloss mit seinen Türmchen in den Himmel. Der einstige Wohnsitz des Grafen zu Münster – Schloss Derneburg. Die Anlage, die früher dem weltberühmten Maler Georg Baselitz gehörte, der seine Motive gern auf den Kopf stellte, und die sich nun im Besitz des US-Kunstsammlers Andrew J. Hall befindet, war lange für die Öffentlichkeit geradezu abgeriegelt. Das hat sich schon seit einiger Zeit gewaltig geändert. Es gibt Ausstellungen mit namhaften Künstlern wie Markus Lüpertz und historische Führungen auf dem Schlossgelände. Das Anwesen selbst war von den Besitzern umfänglich saniert worden, wofür es 2023 einen Preis gab. Einen Steinwurf entfernt lockt auch das Glashaus samt Café an, überdies kann man auf dem Laves-Wanderpfad durch den ehemaligen englischen Garten streifen und sich kulturgeschichtlich informieren. Das nahe Kutscherhaus nahe dem Waldrand ist auch ein schöner Anblick. Und im Forst selbst schlummert ein ganz spezielles Bauwerk, das pyramidenförmige Mausoleum des Grafen zu Münster, wo mehrere Generationen des Geschlechts ruhen. Diese Gegend und das Schloss laden zu einem Ausflug ein. Der ganze Komplex schmiegt sich geradezu malerisch in die sanfte Landschaft. Ganz klar: Platz 3.

Schloss Söder

Nur wenige Kilometer entfernt ist eine Anlage, die einem geradezu ins Auge springt. Unweigerlich fühlt sich der Betrachter ein wenig an den majestätischen Glanz der Residenz von Ludwig X, König von Frankreich erinnert – Versailles. Schloss Söder ist ein Schmuckstück mitten im Grünen. Das Barockschloss ist in Privatbesitz und für Besucher nicht zu betreten. Aber auch von außen beeindrucken die von Wasser umgebenen Gebäude, in deren Nähe etliche Pferdesport treiben. Dieses Schloss war früher eine Burg, landauf, landab eine typische Entwicklung der Geschichte. Von 1690 bis 1862 befand sich Söder der Gemeinde Holle zufolge in Besitz der Familie von Brabeck, die 1740 die alte Burg der Ritter von Bortfeld abreißen und an die Stelle ein Barockschloss erbauen ließ, das sich nach Umgestaltungen bis in die heutige Zeit erhalten hat. Schloss Söder war im 19. Jahrhundert in ganz Europa berühmt durch seine umfangreiche Kunstsammlung, die etwa 400 Werke großer Meister, darunter Originale von Dürer, Raffael, Tizian und Rembrandt umfasste und viele namhafte Besucher anzog. Und ein großes Mannsbild der Filmgeschichte schritt hier einst umher. In den 1950er-Jahren erlangte Söder Berühmtheit, als es als Kulisse für die Dreharbeiten des Filmes „Du mein stilles Tal“ mit Curd Jürgens, auch Darsteller im James Bond-Film „Der Spion der mich liebte“ diente. Neugierig geworden? Ich verspreche, ein Ausflug lohnt sich in das 30-Seelen-Örtchen. Eindeutig: Ranking-Platz 4.

Schloss Wrisbergholzen

Noch eine Filmkulisse ist ebenfalls nicht weit entfernt. Auch hier wurde schon gedreht, etwa das NDR-Doku-Drama „Heimat Helgoland“ mit Charakterdarsteller Michael Mendl an der Seite von Christina Große. Die Rede ist von Schloss Wrisbergholzen, ein heute unbewohnter Adelssitz aus der Barockzeit, errichtet von 1740 bis 1745. Dort gibt es sogar eine U-Bahn-Station: Wrisbergholzen. Natürlich ist das ein Witz, das populäre Landschaftstheater Forum Heersum nutzte das Dorf vor Jahren als Spielort und stellte das Schild neben der Kirche auf. Nur ein paar Schritte weiter erstrecken sich die alten Stallungen. Sie sind verfallen, überhaupt verströmt das Anwesen mit seiner blassgelben Fassade einen morbiden Charme. Zugänglich fürs Publikum ist das Schloss nicht. Dennoch ist das Gelände betretbar. Denn zu dem Komplex gehört eine Orangerie, ebenfalls ein hübscher Ort für Hochzeiten in historischer Kulisse. Das Standesamt der Gemeinde Sibbesse hat dort eine Dependance. Und von dort aus kann das Publikum einen Blick aufs Schloss erhaschen, das nicht verfallen soll. Dafür will Besitzer Alexander Graf Goertz von Wrisberg sorgen. Und gegenüber gibt es eine einstige Fayencemanufaktur für kunsthandwerklich hergestellter Keramik, die zu besichtigen ist. Die hatte der Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen gerettet. Seit 1984 pflegt er das Gebäude, das auf 1736 zurückgeht. Auch hier: ein schönes Ensemble für einen Trip mitten aufs Land, mit einem Schloss als Fixpunkt. Im Ranking bedeutet dies meiner Meinung Platz 5.


Vom Zar, Napoleon und weiteren Schlössern

Neben den fünf Schlössern und Burgen des HAZ-Rankings gibt es etliche andere in der Region, die sehenswert sind. Natürlich auch Schloss Marienburg. Zwar ist der Welfensitz derzeit nicht fürs Publikum betretbar, und die Gastronomie geschlossen, doch lohnt sich auch im Herbst ein Trip zum Spaziergehen in der Nähe des märchenhaften Schlosses, das an eine Ritterburg erinnert, König Georg V von Hannover aber erst 1858/1859 für seine geliebte Frau Marie bauen ließ.

Majestäten fanden sich offenbar auch im Schloss Nettlingen ein, weitaus weniger bekannt als der Adelssitz bei Nordstemmen. Es ist zwar für Besucher nicht zugänglich, einige Räume sind dort vermietet, aber seine Geschichte ist spannend. Und es von außen besichtigen darf man natürlich. Das Anwesen in der Gemeinde Söhlde, das um 1570 erbaut wurde, beherbergte wohl zumindest ein gekröntes Haupt. Zar Peter der Große hat 1717 mit seiner Gattin auf der Reise von Paris nach Moskau in dem Schloss übernachtet. Auch der große Napoleon soll bei seinem Feldzug nach Russland dort Station gemacht haben.

Der Name des Tennisbarons Gottfried von Cramm, der einst in Wimbledon die Bälle siegreich übers Netz schlug, verbindet sich mit Schloss Oelber. Dieses ist Schauplatz für prächtige Christkindlmärkte, wie auch kommenden Dezember. Seit dem frühen Mittelalter ist das Schloss im Besitz der Familie von Cramm.

Auch die Burg Steinbrück auf der Grenze zwischen den Kreisen Hildesheim und Peine ist zugänglich. Der Förderverein Burg Steinbrück kümmert sich um das Gemäuer in der Nähe der B 444. An der strategischen Kreuzung von Straße und Fluss soll um 1380 die Wasserburg entstanden sein. Eine Geschichte, die sich um sie rankt, ist jene: 1536 bis 1537 wurde angeblich Jürgen Wullenweber, Bürgermeister von Lübeck, in Steinbrück gefangen gehalten und gefoltert. Nebenan gibt es eine weitere Attraktion. In Abstimmung mit der Kapellengemeinde kann man die Kehrwiederkirche von 1573 besichtigen: die einzige Rundkirche in Niedersachsen.

Auch Hildesheim wartet mit Burgen auf. Etwa die Domäne Marienburg, wo man sich bei Kaffee und Kuchen im Hofcafé entspannen kann. Aus dem 14. Jahrhundert stammen die ältesten Gebäude der Domäne Marienburg. In den vielen Jahren darauf war sie vor allem wirtschaftliche Grundlage des Domkapitels, wurde stetig mit weiteren Bauten ergänzt. Insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert nahm die Domäne große Teile ihrer heutigen Gestalt an. 1993 wurden die Räume der ehemaligen Eisfabrik an die Universität Hildesheim vermietet. Eis-Verkaufsschlager wie Mukullus, Rocky oder Slop dürften vielen in Erinnerung bleiben. Vor allem dient die Anlage heute als Uni-Kulturcampus, glänzt zudem als Schauplatz des Mittsommernachtfests.


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