Leser-Umfrage der HAZ

Sechs Straßen in Hildesheim empfinden Radfahrer als besonders bedrohlich – das sagt die Stadt zur Kritik

Hildesheim - Die HAZ hat in ihrer Leserschaft nachgefragt: Welches sind die gefährlichsten Hildesheimer Straßen für den Radverkehr? Sechs davon wurden an die Stadt herangetragen – die sich der Kritik stellt.

Laut einer ADFC-Umfrage schneiden die Hildesheimer Straßen erneut schlecht ab. Die HAZ-Leserschaft hat sechs Straßen genannt, an denen es besonders schlecht sein soll. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Ist Hildesheim eine fahrradfreundliche Stadt? Eine neue Umfrage des ADFC sagt erneut: Nein. Eine Umfrage der HAZ unter ihren Leserinnen und Lesern hat sechs Straßen ermittelt, die für den Radverkehr besonders kritisch sind. Kai-Uwe Hauck, Leiter des städtischen Fachbereichs für Tiefbau, Verkehr und Grün und der neue Radbeauftragte Christoph Brandes stellen sich der Kritik.

Bahnhofsallee

Kritik: Busse fahren auf der Bahnhofsallee zu nah an den Radfahrern vorbei, vor allem nahe der Verkehrsinseln. Auch ist der Übergang auf die Kaiserstraße unübersichtlich.

Antwort der Stadt: „Die Kritik ist etwas überraschend“, sagt Christoph Brandes – die Verkehrsinseln seien für Fußgänger und gerade für gehbehinderte Menschen wichtig, um die Straße zu überqueren. Auch seien die Radwege gestrichelt, sagt Kai-Uwe Hauck – was bedeutet, dass Busse nicht nur auf ihnen fahren dürfen, sondern sogar müssen, um entgegenkommenden Bussen Platz zu machen. Da das in Richtung Busbahnhof nicht selten vorkomme, appellieren die beiden an die Rücksichtnahme und Geduld der Radfahrer. „Besser, man fährt kurz an die Seite“, sagt Brandes – dadurch ginge auch kaum Zeit verloren.

Kardinal-Bertram-Straße

Kritik: Die Kardinal-Bertram-Straße ist wie die Schuhstraße sehr eng, sehr stark befahren und die Radverkehrsführung ist unübersichtlich – ein Radweg Richtung Kaiserstraße endet auf halber Strecke im Nichts und die Kreuzung Michaelisstraße und Kurzer Hagen ist unübersichtlich.

Antwort der Stadt: Die Kardinal-Bertram-Straße stünde derzeit noch nicht gesondert im Fokus zwecks Radplanung. Sie sei aber eine der Straßen, in denen die Stadt in Zukunft den Verkehr verringern möchte. Die beschlossenen Ampelumstellungen, mit denen die Stadt den Verkehr an vier Knotenpunkten umleiten möchte, könne daher auch irgendwann auf die Kardinal-Bertram-Straße angewendet werden, sagt Kai-Uwe Hauck – „falls die Maßnahme so wirke, wie wir uns das wünschen.“

Schuhstraße

Kritik: Die Schuhstraße ist sehr eng und gerade bergauf für Radfahrer gefährlich, da auch die Autos schnell fahren müssen, um hochzukommen.

Antwort der Stadt: Die Kritik an der Schuhstraße sei der Stadt bekannt – die aktuelle Gestaltung der Straße mit starkem Fokus auf dem Autoverkehr sei „aus der Zeit gefallen“, ist sich Kai-Uwe Hauck sicher. Die Straße breiter zu bauen sei aber keine Lösung, sagt Christoph Brandes: „Das ist historisch gewachsen.“ Es gebe darum schlicht keinen Platz mehr. Die Stadt setze stattdessen darauf, den Verkehr in der Straße herunterzufahren. Genau deshalb sei die Schuhstraße auch einer der vier Knotenpunkte, an denen die Stadt die neue Ampelschaltung umsetze. Sie wolle so den Verkehr in der Innenstadt und damit auch der Schuhstraße drosseln.

Goslarsche Straße/Roonstraße/Immengarten

Kritik: Die neue Radwegführung an der Kreuzung Goslarsche Straße/Immengarten/Roonstraße ist unübersichtlich, besonders in Richtung Trogstrecke.

Antwort der Stadt:„Ich habe die Strecke selbst oft getestet“, sagt Christoph Brandes – er finde sie weitestgehend verständlich. Das neue Konzept des indirekten Linksabbiegens – also die Weiterleitung zur gegenüberliegenden Straßenseite – verwirre aber tatsächlich viele Radfahrer. Wegführungen wie dieses Abbiegekonzept kommen aus dem Regelwerk der Straßenführung, sagt Kai-Uwe Hauck. Dieses orientiere sich an neuen technischen Möglichkeiten und ändere sich stetig. Die Stadt wolle die Kreuzung daher weiter beobachten – sollten die Radfahrer das Konzept weiter ablehnen, müsse sie halt ein besseres finden.

Sedanstraße

Kritik: Die Übergänge von der Sedanstraße über die Braunschweiger Straße und Wörthstraße sind sehr unübersichtlich – es ist nicht klar, wer Vorfahrt hat.

Antwort der Stadt: Die Sedanstraße sei ein Thema, das Christoph Brandes am Herzen liege, sagt er. Denn: „Täglich fahren da bis zu 3250 Menschen mit dem Rad lang.“ Aktuell seien aber Autofahrer in der Straße bevorzugt, sprich: „Sie haben Vorfahrt.“ Und das, obwohl die Route keine Hauptverkehrsader sei. Die Stadt feile darum an Plänen, die Sedanstraße so zu gestalten, dass sie nicht mehr von der Braunschweiger Straße und der Wörthstraße unterbrochen wird. Autos dürften die Straße diesen Überlegungen nach zwar weiterhin dort fahren – allerdings müssten sie dann den Rädern die Vorfahrt gewähren.

Hohnsen

Kritik: Der Hohnsen ist trotz der neuen Radstreifen gefährlich zu befahren, denn die Straße ist nach den Umbauten zu eng. Autos sind oft zu schnell unterwegs und halten den Mindestabstand zu den Radfahrern nicht ein, wenn sie sie überholen.

Antwort der Stadt: Das Nebeneinander sei in der Tat nicht zufriedenstellend, aber als Kompromiss die beste Lösung. „Andere Verkehrsführungen wären viel teurer gewesen und hätten länger gedauert“, sagt Christoph Brandes. Radfahrer dürften an der Stelle auch auf den Bürgersteig ausweichen – sie müssten da nur langsamer fahren und Rücksicht auf die Fußgänger nehmen. Generell wünsche sich Brandes mehr Geduld: „Man verliert als Autofahrer vielleicht ein paar Sekunden, wenn man mal mit 30 hinter einem Rad herfahren muss.“

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