Nordstemmen/Pattensen - Der Streit um die Marienburg geht in die nächste Runde. Nachdem er den langen Machtkampf mit Niedersachsen Kulturminister Falko Mohrs (SPD) verloren hat, kartet der ehemalige Pächter des Welfenschlosses jetzt nach. Auf Facebook wirft Nicolaus von Schöning Minister Mohrs vor, ihm mit der Sperrung des Museums die wirtschaftliche Grundlage entzogen zu haben. Das Ministerium hält dagegen und spricht von schweren Schäden, die eine Sperrung über Jahre unumgänglich gemacht hätten.
„Das Herzstück des Schlosses, den Südflügel, mussten wir im September 2023 wegen angeblicher Einsturzgefahr schließen“, schreibt von Schöning bei Facebook. Mitarbeiter des Ministeriums hätten gemeinsam mit Mitarbeitern der Bauplanungsfirma ohne sein Wissen im Schloss Fotos gemacht und der Bauaufsicht die sofortige Sperrung empfohlen. Begründet worden sei das mit einem Gutachten, das die Standfestigkeit des Schlosses infrage stelle.
73 Mitarbeiter verlieren Arbeit
Das Gutachten hatte den Echten Hausschwamm in der Dachkonstruktion festgestellt. Von Schöning moniert nun, dass dieser Pilzbefall dem Ministerium seit zwölf Jahren bekannt und bereits 2013 in einem Gutachten auf Hunderten Seiten dokumentiert worden sei. „Unserem Betrieb war mit der Sperrung des Herzstückes, des Museums, von heute auf morgen die wirtschaftliche Grundlage entzogen. 73 Mitarbeiter verloren damit Ende 2023 ihre Arbeit.“
Der Konflikt zwischen dem Pächter und der Stiftung Schloss Marienburg, in der das Kulturministerium den Ton angibt, schwelte über Monate. Dabei ging es unter anderem um das Vermarktungskonzept für die Burg und um die Frage, wie die Einnahmen aus dem Betrieb aufzuteilen sind. Der Pachtvertrag wurde inzwischen aufgehoben.
Schwamm beschädigt Balken
Das Ministerium betonte auf Anfrage, dass es im Spätsommer 2023 zwei Bewertungen gegeben habe. Diese seien beide zu dem Schluss gekommen, dass ein Versagen des Dachtragewerkes nicht ausgeschlossen werden könne. „Die freigelegten Holzbalken wurden durch den Echten Hausschwamm teilweise bis zur vollständigen Zerstörung geschädigt“, zitiert das Ministerium aus dem Befund des Projektsteuerers. Es bestehe die Gefahr von herabstürzenden Deckenteilen. Unklar sei auch, ob die Decken über dem Erdgeschoss nachgeben könnten.
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Mohrs hatte damals gesagt, die Sperrung sei nötig, um die Gefahr für Leib und Leben von Besuchern und Beschäftigten abzuwenden. Den Vorwurf, es habe sich um ein Gefälligkeitsgutachten gehandelt, wies er zurück. Von Schöning bezweifelt allerdings inzwischen, dass es überhaupt ein solches Gutachten gibt. Das angebliche Gutachten, auf dessen Grundlage die Sperrung angeordnet worden sei, habe ihm das Ministerium inzwischen sechs Monate lang vorenthalten.
Gutachten oder Stellungnahme?
Schöning will im Februar dieses Jahres erfahren haben, dass gar kein Gutachten vorliege, sondern lediglich eine zweiseitige Stellungnahme. „Wir hatten wenigstens ein dünnes Gefälligkeitsgutachten erwartet.“ Es sei nicht mal das. Die Behauptung, die Besucher seien aufgrund neuer Erkenntnisse „in Gefahr für Leib und Leben“ sei deshalb dramatisiert. Die Eilbedürftigkeit sei bestenfalls wegen der Trödelei des Ministeriums entstanden. „Man hatte uns 2019 vertraglich zugesichert, mit der Sanierung kurzfristig zu beginnen.
Es gebe eine „ganze Reihe von Gutachten, Stellungnahmen und Untersuchungen, die zur jetzigen bauordnungsrechtlichen Situation geführt haben“, sagte Ministeriumssprecher Sven Appel. Bei den beiden fraglichen Bewertungen des Projektsteuerers und Projektplaners habe es sich um „fachliche Stellungnahmen“ für die Bauaufsicht gehandelt. Mohrs habe in diesem Zusammenhang nicht von einem Gutachten gesprochen.
Von Marco Seng

