Welfenschloss

Sperrung der Marienburg: Ingenieurbüro aus Hannover kritisiert „willkürliche Entscheidung“

Hannover/Nordstemmen - Ist das Schloss Marienburg wirklich einsturzgefährdet? Bauexperten aus Hannover melden Zweifel an – und kritisieren indirekt Minister Mohrs, der die Sperrung von Schlossräumen verteidigt.

Buntes Spektakel: Das Wintermärchen wird im Dezember noch einmal auf Schloss Marienburg zu erleben sein – danach droht eine Schließung der Burg bis zum Jahr 2030. Foto: Johannes Pietsch (Archiv)

Hannover/Nordstemmen - Seit Monaten sind die Innenräume der Marienburg für den Besucherverkehr gesperrt, zum Jahresende droht gar die komplette Schließung des Welfenschlosses. Jetzt aber wachsen die Zweifel, ob die Sperrung der Räume wirklich gerechtfertigt ist.

Das Ingenieurbüro Krause und Anastasiou hat nun eine Einschätzung vorgelegt, nach der „eine Schließung des Schlosses Marienburg nicht notwendig ist“. Beim Entschluss, das Schloss für Besucher zu sperren, handele es sich vielmehr um eine „willkürliche Entscheidung“.

Die Innenräume waren auf behördliches Betreiben geschlossen worden, nachdem eine baufachliche Stellungnahme die Standsicherheit der von Hausschwamm befallenen Gebäude infrage gestellt hatte. Erst in der vergangenen Woche hatte der niedersächsische Kulturminister Falko Mohrs (SPD) die umstrittene Sperrung verteidigt. Diese sei nötig, um Gefahr für Leib und Leben von Besuchern und Beschäftigten abzuwenden.

Das sieht das hannoversche Büro Krause und Anastasiou jedoch völlig anders. „Nach einem ausführlichen Rundgang hat sich unser Eindruck verfestigt, dass keine Einsturzgefahr besteht“, heißt es in einem Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt.

„Überspitzte Äußerung“

Demnach gebe es zwar Schäden in den Auflagerbereichen der Deckenbalken. Diese könnten jedoch „sofort mit einem geringen Aufwand gesichert werden“. Zwei fachkundige Zimmerleute könnten dies unter Aufsicht eines kompetenten Planers binnen etwa drei Wochen bewerkstelligen.

Das Büro empfiehlt außerdem, eine vor zwei Jahren installierte Stützkonstruktion aus Holz im ersten Obergeschoss zu entfernen, die „unverhältnismäßig für die vorliegenden Schäden“ sei. „Erwähnenswert ist die Tatsache, dass während der Besichtigung keine nennenswerten Schäden der Dachkonstruktion vorgefunden werden konnten“, heißt es in dem Schreiben des Büros.



Ohne seinen Namen zu nennen, kritisiert das Ingenieurbüro Kulturminister Mohrs. Die Aussage, in der Burg bestehe Gefahr für Leib und Leben, sei eine „überspitzte Äußerung“, welche die Öffentlichkeit in die Irre führe.

Das Büro Krause und Anastasiou hatte sich nach eigener Aussage selbst um die Planung der anstehenden Sanierung des Schlosses beworben, jedoch nicht den Zuschlag bekommen. Am Mittwoch, 22. November, habe die Firma die Bausubstanz des Schlosses auf Bitten des Pächters Nicolaus von Schöning jetzt noch einmal in Augenschein genommen.

„Rational nicht zu rechtfertigen“

Zwischen dem Pächter, der eine Schließung des Schlosses vermeiden will, und der Stiftung Schloss Marienburg, in der das Kulturministerium den Ton angibt, schwelt seit Monaten ein Konflikt. Dabei geht es unter anderem um das Vermarktungskonzept für die Burg und um die Frage, wie die Einnahmen aus dem Betrieb aufzuteilen sind. Minister Mohrs hält es für unumgänglich, den größten Teil der Burg während der Sanierung bis 2030 für das Publikum zu schließen.

Pächter Nicolaus von Schöning hatte nach der Sperrung der Innenräume die mehr als 70 Beschäftigten des Schlosses zum Jahresende entlassen und die Schließung der kompletten Burg angekündigt, da das Schlossrestaurant ohne Museumsbetrieb nicht kostendeckend zu führen sei.

Viele Beschäftigte erheben den Vorwurf, dass die Sperrung der Innenräume überzogen sei und vor allem dazu diene, den unliebsamen Pächter aus der Burg zu drängen – ein Vorwurf, den Minister Mohrs vehement zurückweist.

Die Stellungnahme des Büros Krause und Anastasiou schlägt allerdings in dieselbe Kerbe. „Eine Schließung für mehrere Jahre, die den Arbeitsplatzverlust vieler Mitarbeiter, einen Umsatzverlust und weitere Gebäudeschäden zur Folge hat, lässt sich nicht rational rechtfertigen“, heißt es darin.

Von Simon Benne



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